Die Generation Z erobert gerade die Strasse und das Internet. Sie schafft es, damit ganze Regierungen erfolgreich zu stürzen. Von Nepal bis Madagaskar beweisen diese jugendgeführten Proteste eine ansteckende globale Kraft. Mit einer gemeinsamen digitalen Sprache kämpft die Gen Z gegen Korruption und Arbeitslosigkeit. Doch die Geschichte warnt uns: Nicht jede Revolution führt zu Besserung.

Die Macht der Memes
Die sozialen Medien sind wohl das Rückgrat und die treibende Kraft dieser globalen Protestwelle. Plattformen wie TikTok und Instagram überwinden physische Distanzen und schaffen so eine gemeinsame kulturelle Basis. Memes und Slogans bilden dabei die Grundlage dieser gemeinsamen Sprache. Diese digitale Einheit beschleunigt die Verbreitung von Ideen und Taktiken: So liessen sich Aktivist*innen in Nepal von Demonstrationen in Indonesien inspirieren, und die Madagass*innen wiederum sahen in Nepal ein Vorbild für ihre Protestbewegung. Das Ergebnis ist eine noch nie dagewesene Form des Widerstands, die sogar ganze Regierungen stürzen kann.
Gemeinsame Missstände
Die Länder, in denen die Gen Z gerade auf die Strasse geht beziehungsweise auf die Strasse ging, mögen auf den ersten Blick politisch und geografisch heterogen wirken, doch ihre Probleme weisen erhebliche Ähnlichkeiten auf. Obwohl die unmittelbaren Auslöser variieren – in Nepal war es ein Social-Media-Bann, in Madagaskar die desolate Wasser- und Stromversorgung – sind die tieferliegenden Beweggründe fast identisch. So haben viele dieser Staaten eine extrem junge Bevölkerung (in Madagaskar liegt das Durchschnittsalter bei lediglich 21 Jahren), die mit massiver Jugendarbeitslosigkeit und einem tief korrupten System kämpft. Diese Mischung aus Demografie und Frustration ist ein Pulverfass, dem nur ein kleiner Funke fehlt, um einen landesweiten Aufstand auszulösen.
Ernüchterung

Was all diese Proteste aber auch verbindet, ist die Diskrepanz zwischen ihrer Macht, Regierungen zu stürzen, und ihrer Durchsetzungsfähigkeit, bei der Nachfolge mitzubestimmen. Sobald die eigentliche politische Neugestaltung beginnt, stossen die Aktivist*innen an ihre Grenzen.
In Madagaskar zum Beispiel, wo nach dem Sturz des Präsidenten das Militär die Zügel in die Hand nahm, wich der anfängliche Optimismus schnell der Ernüchterung, als ein altgedienter Oppositionspolitiker an die Spitze der Nationalversammlung trat. Ähnlich erging es den jungen Aktivist*innen in Nepal, die zwar unmittelbar nach dem Erfolg der Proteste konsultiert wurden, nun aber wohl ins Hintertreffen geraten.
Expert*innen weisen darauf hin, dass insbesondere die Jugendarbeitslosigkeit ein derart tiefes, strukturelles Problem darstellt, dass es selbst mit bestem politischen Willen kaum zu lösen ist. Solche Volkswirtschaften sind schlichtweg nicht in der Lage, die schier endlose Zahl junger Menschen, die auf den Arbeitsmarkt drängen, aufzunehmen.
Alles beim Alten
Aber nicht nur im Vergleich untereinander weisen diese Proteste Ähnlichkeiten auf. Sie erinnern auch unweigerlich an die Studierendenproteste von 1968 sowie an den Arabischen Frühling der 2010er-Jahre. Auch Letzterer war massgeblich von jungen Menschen vorangetragen worden und führte in vielen Ländern zwar zu einem Regierungswechsel, nicht aber zu einer substanziellen Verbesserung der Jugendperspektiven oder gar einer echten Demokratisierung nach westlichen Standards.
Die Gen Z besitzt Macht; die jüngsten Proteste beweisen das. Ob sie aber auch die politische Reife und die strukturellen Hebel in der Hand hält, um diesen Wandel nachhaltig mitzugestalten, bleibt abzuwarten. Gerade sieht es ganz danach aus, als würde der jugendliche Idealismus einmal mehr am tief sitzenden Revolutionswiderstand der Strukturen zerschellen.


