Haaatschii!!!

Es beginnt mit einem Kribbeln in der Nase, man versucht noch, es zurückzuhalten, doch es ist nichts mehr zu machen und man trompetet ein lautstarkes «Hatschi» heraus. Meist wird der Nieser sofort mit einem vielstimmigen «Gesundheit!» der Umstehenden zur Kenntnis genommen. Doch wieso ist es Teil unseres sozialen Kodexes, fast schon reflexartig auf einen Nieser zu antworten?

by Polykum Redaktion

Niesen ist etwas völlig Natürliches und dient der Nase dazu, Schleimhäute von Staub, Pollen oder Krankheitserregern zu reinigen, indem diese mit einem Luftschwall aus der Nase geschleudert werden. Dieser kann eine Geschwindigkeit von 150 km/h erreichen. Und ist somit ein körpereigener Schutzmechanismus.

Mythen und Legenden

Obwohl eine so einfache medizinische Erklärung hinter dem Phänomen des Niesens steckt, ranken sich seit Jahrhunderten Mythen um dieses Körpergeräusch. Beispielsweise die Furcht, beim Niesen könnte es zu einem Herzstillstand kommen. Oder die Augäpfel könnten herausquellen, wenn man während des Niesens die Augenlider nicht fest zudrückt. Aus medizinischer Sicht sind beide Befürchtungen haltlos. Früher existierte auch der Aberglauben, dass beim Niesen die Seele aus dem Körper geschleudert wird. Oder dass genau das Gegenteil eintritt: Der Moment des Niesens wird von bösen Geistern genutzt, um in den Körper einzudringen. Um all dieses mögliche Unheil abzuwenden, das Niesenden widerfahren könnte, wünschte man sich gegenseitig Gesund- heit. So lauten zumindest manche Theorien.

Pest und Segenswünsche

Die gängigste Erklärung zum Ursprung des Gesundheit-Sagens reicht bis ins Mittelalter zurück, als die Pest wütete. Das erste Anzeichen einer Pesterkrankung war meist ein Niesen. Deshalb wünschte man Niesenden «Gute Gesundheit» oder «Gute Besserung». Es waren auch kurze

Segenswünsche verbreitet wie «Gott segne dich». Im Englischen ist auch heute noch «Bless you» als Kurzform von «May God bless you» gebräuchlich. Mit der Pest lässt sich auch eine Erklärung finden, wieso man auf ein Husten nicht mit Gesundheit antwortet. Husten war zwar ebenfalls ein Symptom der Lungenpest, aber erst im fortgeschrittenen Stadium, in dem die Kranken meist schon aus den Städten ausgestossen worden waren.

Es existiert auch die Theorie, dass der Gesundheitswunsch gar nicht an die erkrankende Person gerichtet war, sondern an einen selbst und man sich damit gute Gesundheit wünschte und sich vor einer Ansteckung schützen wollte. Diese Theorie wird aber angezweifelt und passt schlecht zu den religiösen Segenswünschen wie «Gott segne dich», die früher gebräuchlich waren.

Wie genau das Gesundheit-Sagen wirklich entstanden ist, lässt sich vermutlich nicht mehr zweifelsfrei feststellen und ist in den Wirren der Geschichte verloren gegangen.

Knigge und Gewohnheiten

Während es lange Zeit unumstritten als höflich galt, jeden Nieser mit «Gesundheit» zu beantworten, ist in jüngster Zeit eine gewisse Ver- unsicherung aufgekommen. Der neueste Knigge-Ratgeber für Benimmregeln empfiehlt, das Niesen höflich zu ignorieren. Das Gesundheit-Sagen generiere zu viel Aufmerksamkeit, was der niesenden Person unangenehm sein könnte. Stattdessen sollten sich Niesende kurz entschuldigen, da das laute Geräusch für andere erschreckend wirken könnte. Generell sollten Körpergeräusche nicht kommentiert werden. Diese Regelung hat sich aber nicht wirklich durchsetzen können, da die wenigsten mit den Details der Knigge-Regeln vertraut sei dürften. Und weil sich jahrhundertealte Gewohnheiten, auch wenn ihr Ursprung nicht zweifelsfrei geklärt ist, nicht einfach so abschaffen lassen.

von Sabrina Strub, 24, studiert Bauingenieurwissenschaften im Master und findet es bemerkenswert, dass man manche Familienmitglieder oder Mitstudierende anhand ihres Niesens unterscheiden kann.

 





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