Eine subjektive Hommage an den Zauber kindlicher Vorstellungen

by Polykum Redaktion

von Nikolaus von Moos

Dort ist der Gartenzaun, durch dessen Latten sich Sonnenblumen den Weg in die Freiheit bahnen. Hier die Treppe, auf der man manchmal auf dem Heimweg von der Schule sitzt. Ein paar Kieselsteine liegen auf dem Beton der Stufen. Die muss man wegwischen, sonst tut das Sitzen weh. Die Sonnenblumen daneben sind voller Blattläuse, weswegen man Marienkäfer mitbringt, damit die leuchtend gelben Blütenblätter es weniger streng haben, sich dem Licht entgegenzustrecken. Aber ach! Sieht man da nicht den Osterhasen hinter dem Hag vorbeiflitzen?

Solche Erinnerungen zeigen für mich das grosse Detailbewusstsein kindlicher Erinnerungen und Erfahrungen, die sich so stark von jenen der Erwachsenen unterscheiden. Der Schulweg war eine Entdeckungsreise; jeder Meter bis ins kleinste Detail bekannt und mit einem Hauch von Magie versehen.

Gegenteilige Wahrnehmungen

Als Kind nimmt man auch die Zeit anders wahr. Der Sommer erschien uns ewig lang. Das hat damit zu tun, dass Kinder bis ins Alter von etwa sieben Jahren die Dauer der Zeit mittels der sogenannten Repräsentativitätsheuristik einschätzen. Von zwei Zeitabschnitten wird derjenige als länger wahrgenommen, in dem mehr geschehen ist. Erwachsene verwenden die Stichprobenheuristik,
die eine gegenteilige Wahrnehmung verursacht: Voll gefüllte Zeitfenster vergehen wie im Flug.

In der Kindheit entstehen Prägungen und Moralvorstellungen, die einen meist ein Leben lang begleiten. Sie erinnern uns im heutigen Kampf der lauten und noch lauteren Stimmen und Meinungsmacher*innen an das, was die Menschheit eigentlich weiterbringt. Möglicherweise deswegen adressiert Bruce Berger in seinem Lied Alle Kinder dieser Erde die künftige Generation: «Alle Kinder dieser Erde, singt mit mir dies Lied. Damit endlich Frieden werde, und es für alle Essen gibt (…)».

Wahre Liebe und Internetanschlüsse

Vielleicht glaubt man in der Kindheit auch noch an die wahre Liebe. Das alles, bevor unter anderem die strategische Inkompetenz, welche mit dem Konzept der erlernten Hilfslosigkeit erklärt werden kann, die Beziehungen zwischen den Geschlechtern (und somit die wahre Liebe) herausfordernd macht.
Als Beispiele für strategische Inkompetenz werden Kindershampoo kaufen und Geschirrspüler einräumen eher der einen Seite, Autoreifen wechseln oder den Internetanschluss reparieren eher der anderen zugeordnet.

Die Kindheit ist jene Zeit, in welcher man in der eigenen Welt leben darf. Im Alter zwischen drei und sieben Jahren werden Kinder durch ein «egozentrisches Denken» gelenkt. Sie sind stark auf sich und die eigenen Erfahrungen bezogen und können sich noch nicht in andere hineinversetzen. Deshalb sind Kinder bis zu einem gewissen Alter nicht in der Lage zu lügen und verstehen auch Ironie nicht. Ihr Denken ist noch statisch, intuitiv und aus Sicht der Erwachsenen oft nicht logisch.

Auf den Spuren von Muggestutz

Die Geschichten in den Büchern, die man liest, den Filmen, die man schaut, versieht man mit allerlei Verzierungen, überträgt sie in den Alltag und sucht dann hinter einer bestimmten Ecke den Kobold, der sich dort doch ganz sicher versteckt. So machte auch ein Muggestutzweg in der Region Meiringen-Hasliberg einen heiden Spass. Den kann ich allen, die mal in dieser Gegend unterwegs sind, sehr empfehlen. «Erwachsenen» und Kindern.

Nikolaus von Moos, 24,
studiert Gesundheitswissenschaften und Technologie im Master und träumte als Kind von fernen und zauberhaften Welten.

 

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